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 | Leseproben aus Band 1 |
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Leseproben
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Aus dem Gedichtband:
WIE ZAUBERWESEN STERBEN . . .
Erdbedeckt und eingehüllt im welken Laub des Zauberbaumes. Arme, Äste, Fingerzweige deuten spitz auf mich. Tote, leere Augen starren, taube Ohren lauschen. Schemen blinder Freuden tanzen und sogleich zersetzen sich.
Verzerrte Münder, blasse Lippen fangen an zu singen; stimmen an ein schaurig' Lied, die Stille zu bezwingen.
Schrilles Raunen, gedämpftes Heulen, mischt sich mit der Atemluft. Der letzte Zug, der Weg zu Euch, führt durch die Gedankengruft.
Leibertore öffnen sich, gänzlich machen frei die Sicht. Die Zauberwesen sind gestorben, und ihr Gräberfeld bin ich.
OKTOBERMOND
Farbenspiele bunter Schleier. Kalter Töne Glimmer. Zarter Kühle streichend' Feier. Niederduckend' Hänge Schimmer.
Weicher Schatten Haltung. Spitzer Lichter Drang. Scharfer Strahlen Spaltung. Harter Töne Sang.
Wilder Flügel sanfter Schlag. Dunkles Platschen, Heimlichkeit. Stummer Augen heikle Klag'. Schwirrende Unkenntlichkeit.
Fernes Grollen. Gewimmel dort im Funkentanz. Haltlos' Wollen, ziellos' Rollen. Bewegung: weder halb noch ganz --
Reflektierter Lohe Glut. Blinzlerin am Zitterfirmament. Blinde Räuberin von Mut. Herab auf mich, Dein Schein: Er brennt.
DER ZUSTAND HOCHGRADIGER INTERESSELOSIGKEIT -- LEBLOS
Wenn Blut so zäh wie Lava fließt Ist Herzensurgestein zerfressen Schießt Lethargie in tödlich' Hand Das Herz selbst auszupressen
Schmierig nasse Wunden klaffen Mitten im Verstande Aus jeder tropft ein toter Wunsch Bin ich dazu imstande Zu kosten und versuchen mich Am giftig lockend' Wesenspunsch?
Autismus Sieger über eine Welt Widerwillen, Wirklichkeit Gerüst aus Träumerei Bin ich alsbald bereit?
Zu besteigen gilt's den eignen Thron Götzenbild des Seins Schillernd' Lösung oder Hohn? Verherrlichung des Scheins
Wirkliches wirkt wirr entstellt Die Ablehnung von Neid Endziel: Herrscher meiner Welt Geschlagen mit Leblosigkeit
GESTEINIGT
Blinde Qual der Anonymität Leinentuchbedeckte Schmach Erdwärts gedrungen -- zu spät! Ausschweifende Werfer, was schmeißt Ihr mir nach?
So gut sie hassen, so gut treffen sie Harter Stein von härtrem Herzen Was sucht Ihr die Augen, doch nie Erblickten die Schleudrer gläserne Schmerzen
Kantige Wut, rotbringende Wucht Ein Geschoß folgt schon dem nächsten Oh, possenreißerische Zucht Musik ist des Schuld'gen Schluchzen und Ächzen!
Und seht, die Blindheit das Weiß noch durchfleckt Tobende Richter sich am bunten Schmutze weiden Masse und Würde steinern -- zertreten, vom Hagel des Hasses bedeckt Leintuchverborgen, stets hinterrücks, bleiben die Augen der Leiden
MÄDCHENTRÄNEN
Hinterm Vorhang ganz aus Tränenstoff zerrt entbrannt das Kuttertier Gefühle von greiser Bühne runter
Auch im Halbschlaf stürzen Sterne Strauchelnd erdolche ich das Abendrot Mit milchig’ Baucheswut an Galgensäule versteift sich dürftiges Erkennen zu milder Reue Rast ist kein Metallgestell, vielmehr verjüngt sich Zukunftsmut zu bangem Zweifel an ausgehöhlter Erfahrung
Und doch, das Herz des Morgen blutet niemals ärger als geronnen’ Vortagsfahrigkeit im Blutstau gesprenkelter Nässe unsrer läuternd’ Bühnenspiele
Masken heulen zukunftsträchtig, wie schon Rollen rochen die nüchterne Narkose zu jener Rodung von Persönlichkeitsgestrüpp
Wahrhaftigkeit des Salzes zersetzt die Welt, und schenkt ihr heitren Durst –
Trocknen Auges stirbt auch Glanz —
DIE STADT ALS GEIST DURCHSTREIFEN
Lumineszierende Laternen Ausgesät, gleich einem Heer von toten Sternen, glimmen myriadenfach in Straßen Wie ein fernes Tiefseetier Doch dünkt es dunkel hier, nach Maßen Vom Dach Der Stadt aus Stein und Ruß, die Zunge bar, der Lippen ledig, und doch herrscht hier keine Ruh, entfleucht ein stummer, weher Ruf Der gläsern' Kehle Halseszug
Auf heimlich' Sinnen jener Schwelger, mit warmem Sehnen segelnd, ärger, reit ich mit den Wehmutswogen dieses trüben Meers aus Phosphor Ganz weit, gar fern dort droben
Mein Herz pulsiert, es oszilliert, von schwarzkühl zu wohlig warm, hart umhaucht mich Lärm und schwül Es zieht mich fort, es hißt das Weiß Die Seel' fordert kolorierten Preis In Einsamkeit zu fliegen von der Deck' jen' Städtewelt, als Stalaktit, mit hartem Klirren, entschwind ich dem Moloch, dem Bellen Ein letztes Sirren, Neonlicht, und ergieß mich färbend in Asphalt!
IM RACHEN DER ZEIT
Wandernd im irden Tal der Zeit Umzäunt von Todesstreben Ist das Rad, ein Menschenleben, nie vom Schlag der Uhr befreit!
Hier fallen Tage auf das Haupt Da suchen Stunden Unterschlupf Ein illusorisches Gerüst entpuppt Gelassenheit und Muß' beraubt!
Tief gefurcht, das schwarze Tal, vom reißend' Silberstrom der Zeiger Beginn und Ende zieren Mäuler Sternenmacht und Erdenqual!
Allhier, horch, oh Erdenkind, vertreib die Zeit und wachse weiter Der Silberstrom wird wach und heiter Das dunkle Maul wird ausgespült, find Ruhe, Glück und reinste Weisheit Tief im Rachen Deiner Zeit!
Aus dem Kapitel “Gehirn und Guillotine - Antiluzide Exhumierung des Gedankens”
II,
Rotbäuchige Schauderschnecken umgarnen den braven Hund am Napf Wie Erdbeersauereien
Die heuschreckengeplagte Beinkontrolle am Laufsteg Erschrickt vor katzenzungengleicher Vollmundigkeitsbewältigung In schierer Wahnkotze erfrierender Nacktschneckenleiber
Die Sprungkraft der Tacholampen surrt immens im Kopf des Uhrmannes, Der senfartigen Verklebung eines Unsinnes Augenverwischt und hirnertränkt, streckt der Pfotenmasturbator die Senfgurke zum Tötungsritual Gen brennesselblättriger Blasschnepfe
Eitergebeulte Pferdeaugen sehen die Dschungelfotze um die Palme tanzen Winselhüpfend und zungenblähend Entschlüpft dem Kauderkokon die naßpfeifende Schwammigkeit eines Urtropfens, Der niemals begehrt
Im Nest sitzt die Krapfenkolonne und harrt des Zerstampftwerdens Durch die Elefantenmasse der Unzucht Gelbgeäugte Nußperlen, was sitzt Ihr im Schädel der Primadonna Pantherverscheuchter Zartheit?
Ich entfliehe dem Wahn ungewollt und bin wieder nicht ich, denn
Zurückspringen heißt verenden
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